KULTURKRAFT-Matinee: Sonntag, 21.03.2027, 11:30 Uhr
„SOPHIE MEREAU UND CLEMENS BRENTANO & MOZART MEETS JAZZ“
Heikko Deutschmann, Julia Hansen, Rhani Krija, Jörg Siebenhaar, Thomas Zander
Lebe der Liebe ...
In der diesjährigen Ausgabe unserer beliebten Matineen, in denen sich Perlen aus Wort und Dichtung mit musikalischen Improvisationen eines eingespielten Teams verbinden, verbeugen wir uns vor einer einzigartigen Frau. Einer feinsinnigen Schriftstellerin, die von ihren Werken sogar leben konnte – und das um das Jahr 1800; einer freiheitsliebenden Romantikerin und kämpferischen Idealistin; einer Ehefrau, Mutter und hemmungslos Liebenden, die als erste eine von einer Frau veranlasste Scheidung durchsetzte; einer Künstlerin, die das Leben mit vollen Händen verschenkte – und nur 36 Jahre alt wurde: Sophie Mereau. Und wir verbeugen uns vor ihr in ihren eigenen Worten, sowie denen ihres nicht minder erstaunlichen Gesprächs- und Lebenspartners: Clemens Brentano.
Die beiden verliebten sich 1798 ineinander, heirateten 1803, hatten drei Kinder, die Sophie bei ihrem allzu frühen Tod bereits überlebt hatte. Sie schrieben sich viele hundert Briefe, voller Liebe, Eifersucht, Besitzanspruch und Utopie:
Es sind die Hymnen eines romantischen Lebens.
... und liebe das Leben!
Der Briefwechsel von Sophie Mereau und Clemens Brentano zu Improvisationen* über Musik ihres genialen Zeitgenossen W.A.Mozart.
*Ohne Netz und doppelten Boden, aber wie immer mit aller Leidenschaft.
Der Briefwechsel von Sophie Mereau und Clemens Brentano …
… ist weniger Schriftstück als gesprochenes Wort. Ein im Moment des Schreibens aufkeimender Dialog, geprägt von direkter Ansprache – und Warten: auf Verständnis, auf Resonanz, auf Erwiderung.
Briefe von Clemens Brentano und seiner großen Liebe Sophie Mereau stehen im Mittelpunkt der Matinee 2027. Beantwortet, kontrastiert und gespiegelt werden sie durch Musik von Mozart bis Jazz – frei entwickelt im Moment der Performance. Unter den Mitwirkenden verabredet sind nur die Texte und das musikalische Material. Was daraus entsteht, entscheidet sich im Augenblick des kreativen Zusammenspiels.
Zum Historischen Hintergrund
1798 lernt der Student Clemens Brentano in Jena die acht Jahre ältere Dichterin Sophie Mereau kennen, deren Arbeiten Friedrich Schiller als Herausgeber der „Thalia“, der „Horen“ und eines Musenalmanachs druckt. Nach vorübergehender Entfremdung finden die beiden im Dezember 1802 erneut zusammen. Brentano wirbt in langen Briefen aus Marburg um sie, 1803 folgt die Heirat. Drei Jahre bleiben ihnen in Heidelberg. 1806 stirbt Sophie Mereau infolge der Geburt ihres dritten gemeinsamen Kindes.
Wie die beiden einander begegnen, zeigt eine kleine Szene. Im September 1803 erhält Sophie Mereau eine Gipsbüste von Brentano, und er spottet, wie hässlich sie ihn finden werde, wenn sie ihn wiedersehe, nachdem sie sich an den Clemens aus Gips gewöhnt habe. Die Büste, ein Werk Christian Friedrich Tiecks, regt sie zu ihrem Sonett „Auf eines Ungenannten Büste von Tiek“ an.
Heikko Deutschmann erhält nach seiner Schauspielausbildung an der Berliner Hochschule der Künste sein erstes Theater-Engagement unter Peter Stein an der Berliner Schaubühne. Parallel startet er seine Karriere vor und später auch hinter der Kamera. Seiner ersten Rolle in Walkman Blues 1985 folgen zahlreiche Fernseh- und Kinoproduktionen. 2014 gründet er eine Produktionsfirma und dreht die international mehrfach preisgekrönte Tragikomödie Noch ein Seufzer und es wird Nacht als Autor, Regisseur und Produzent. Neben Bühne und Film ist er auch Sprecher zahlreicher Hörbücher.
Julia Hansen ist in Südindien geboren und in Somalia und Sambia aufgewachsen. Im Alter von 15 Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland und lebt seit vielen Jahren in Göttingen. Sie studierte an der bekannten Essener Folkwang-Hochschule Schauspiel, Gesang und Tanz. 1999 ging sie als festes Ensemblemitglied ans Deutsche Theater Göttingen. Seit 2011 ist sie als freiberufliche Schauspielerin auf deutschen Bühnen, Literaturfestivals und in Konzertsälen tätig. Auch als Sängerin von Jazzstandards mit eigenen deutschen Texten steht sie auf der Bühne und veröffentlichte mehrere CDs. 2013 gründete sie die neunköpfige Band „The Three Sisters“. Als Sprecherin ist sie seit mehreren Jahren im Rahmen von Lesungen unter anderem mit Christian Brückner, Charles Brauer, Denis Scheck und Heikko Deutschmann sowie für Hörbuch- und Rundfunkproduktionen tätig.
Rhani Krija wurde im Herzen der Gnawa-Kultur in Essaouira, Marokko geboren. Schon früh lernte er die traditionellen nordafrikanischen Musikstile kennen, welche die Grundlage für seine heutige Spielweise prägten. Bekannt für seine Kentnisse und Fähigkeiten, andalusische, arabische, afrikanische und lateinamerikanische Rhythmen zu spielen, wurde Rhani zu einem der international gefragtesten Perkussionisten. In den letzten Jahren spielte er für namhafte Labels Perkussion-Sample-Aufnahmen ein und ist auf Bühnen weltweit zuhause. Zurzeit lebt er in Deutschland. Rhani tourte und arbeitete im Studio mit Sting, Herbie Hancock, Al Di Meola, Placido Domingo, Peter Gabriel, der WDR- und SWR-Big Band, Annie Lennox, Prince, Klaus Doldinger, Vince Mendoza, BAP, Xavier Naidoo, Sarah Connor, Herbert Grönemeyer, EMEL, Hindi Zahra, OUM, Martin Grubinger und dem Royal Symphonie Orchester of London.
Jörg Siebenhaar spielt seit seiner Kindheit Akkordeon sowie Kirchenorgel. An der Essener Folkwang-Hochschule studierte er Klavier und ist seitdem als Pianist, Akkordeonist, Bühnenmusiker sowie Komponist tätig. Er arbeitete an zahlreichen Theater- und Fernsehproduktionen mit und begleitete Künstler, wie Greetje Kauffeld oder Marla Glenn auf nationalen und internationalen Bühnen. Auch Bobby Hebb, bekannt durch seinen Welterfolg „Sunny“, engagierte ihn für seine Europa-Tournee. Zudem trat der blinde Musiker in Fernsehshows mit Jürgen von der Lippe oder Desirée Nick auf. Neben seinem Jazz-Trio Accordion Affairs spielt er in verschiedenen Formationen, vom Duo mit Klassischer Gitarre bis sechs-köpfiger Tango-Band. In dieser Spielzeit ist er am Schauspiel Hannover in dem Theaterstück „Mit anderen Augen“ auf der Bühne zu erleben.
Thomas Zander ist gebürtiger Hannoveraner und spielt eigentlich schon immer Klarinette und Saxophon. Beides unterrichtet er an der städtischen Musikschule in Hannover und ist seit Jahren ständiger Gastmusiker für Saxophon, Klarinette und Querflöte z.B. am Theater für Niedersachen und an der Oper Hannover. In Roger Cicero’s Bigband spielte er von Beginn an als Bariton-Saxophonist und spielt Tenor im Quartett von Bill Ramsey. Daneben arrangiert und komponiert er Kammer- und Orchestermusik, zuletzt ein Quartett für vier Bassklarinetten und ein Quintett für Bassklarinette und Streichquartett.
Photos © Frank Stefan Kimmel